Literatur aus Lettland

Bei dem ersten Buch in lettischer Sprache handelte es sich um eine Mitschrift von Predigten protestantischer Geistlicher. Jedoch wurde es 1525 verbrannt und niemals vom Volk gelesen. Trotzdem wurde dieses Jahr zum Geburtsjahr der Literatur aus Lettland erklärt. Zuvor gab es jedoch über Jahrhunderte eine nur mündlich überlieferte Volkspoesie mit den Dainas (Volkslieder) und Märchen.

Klassiker der lettischen Literatur

Lettlands Nationalepos ist Der Bärentöter von Andrejs Pumpurs. Pumpurs verfasste sein Werk Mitte des 19. Jahrhunderts, basierend auf traditionellen Überlieferungen. Der Held des Werkes kämpft darin gegen einen deutschen Ritter, doch kurz nach seinem Triumph ertrinkt der Held im Fluss Daugava. Doch die zu erwartende Wiedergeburt des Bärentöters, erhält die Hoffnung auf neue Freiheit.

Literatur aus LettlandJanis Rainis (auch Pliekšans) gilt als wichtigster Schriftsteller Lettlands. Besonders seine angesehene Übersetzung von Goethes Faust sowie die Werke Indulis un Arija (Indulis und Arija) und Uguns un nakts (Feuer und Nacht) verschafften ihm Anerkennung. Neben seinem bedeutenden Einfluss auf die lettische Literatur, war Rainis auch als Politiker aktiv. Aufgrund seines Engagements während der Revolution 1905, musste er nach dessen Scheitern das Land verlassen. Nach Lettlands Unabhängigkeit 1920 konnte Rainis jedoch in sein Heimatland zurückkehren.

Ein weiterer Klassiker der Literatur aus Lettland ist der Roman Die Zeit der Landvermessung, geschrieben von den Brüdern Reinis und Matiss Kaudzite. Beliebt ist der Roman besonders wegen seiner humorvollen Beschreibung der lettischen Charaktere.

Rudolf Blaumanis hat Lettlands beliebtestes Theaterstück geschrieben: Die Tage des Schneiders in Silmacos. Anna Brisgaderes märchenhafte Dramen und Erzählungen über das Leben auf dem Land vom Anfang des 20. Jahrhunderts werden auch heute noch gerne gelesen.

Exil-Literatur während der Sowjetbesetzung

Eine besondere Bedeutung kommt auch den Werken lettischer Exilautoren zu. Nach der Besetzung Lettlands durch die sowjetischen Armee 1944, setzte eine Massenflucht in Richtung Westen ein. In den Folgejahren entfachte zwischen den lokalen und den geflohenen Schriftstellern ein „Krieg der Worte”. Die in Lettland Gebliebenen machten sich über den sentimentalen Nationalismus in den Werken der Exil-Schreiber lustig, während die im Exil Lebenden der Auffassung waren, die in der Heimat Gebliebenen hätten sich dem Sowjetregime untergeordnet. Zurzeit findet eine kritische Auseinandersetzung sowohl mit der Exilliteratur, als auch mit der im sowjetisch besetzen Lettland entstandenen Literatur statt.

(Bildquelle: wikimedia)

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