Trachten in Lettland

Mittsommer in LettlandTrachten sind in Lettland wesentlicher Bestandteil des kulturellen Erbes. Auch heute werden zu festlichen Anlässen noch oft Trachten getragen. Diese festlichen Kleider mit aufwendigen Verzierungen werden über Generationen weitervererbt, für den Alltag gedachte Kleider sind meist weniger gut erhalten.

Unter dem Begriff Volkstracht versteht man heute die Kleidung, die früher von den lettischen Stammvölkern, den Liven und den Balten, getragen wurde. Diese Kleidungsstücke sind heute wichtige Zeugnisse des früheren Lebens der Landwirte und Handwerker Lettlands. Sie zeigen, wie die Menschen im historischen Lettland zu den jeweiligen Anlässen und Jahreszeiten gekleidet waren.

Die Trachten sind auch deshalb so besonders, da jedes dieser handgemachten Kleidungsstücke seine eigene Geschichte hat. Mehrere Generationen wurden die sorgfältig verzierten Gewänder getragen und gleichzeitig moderne Muster hinzugefügt. So spiegeln die Kleider nicht nur die regionalen Traditionen wider, sondern auch die individuellen Geschmäcker.

Die Frauentracht

Die Tracht der Frauen setzt sich aus einem Rock und einem langärmeligen Leinenhemd, ähnlich einer Tunika, zusammen. Das Hemd wird auch von Männern getragen und ist bei Frauen Bluse und Unterrock in einem. Der Rock wurde bis zum 19. Jahrhundert nicht genäht, sondern einfach um die Hüften gewickelt und von einem Gürtel zusammengehalten. Seitdem werden die Röcke mit Bundfalten am Gürtelteil genäht. Die Gürtel der Frauentrachten sind häufig verziert, man vermutet, dass dies ursprünglich die Fruchtbarkeit fördern sollte. Der möglicherweise älteste Bestandteil der lettischen Frauentracht ist jedoch das Umhängetuch. Zum einen war es mit großzügigen Stickereien das prachtvollste Stück der Kleidung, zum anderen stellten besonders die einfacheren Tücher ein Schutz vor der Kälte dar. Auf dem Kopf trugen Mädchen in den livischen Regionen einen Kranz oder ein verziertes Stirnband. Bei festlichen Ereignissen trugen die Frauen meist ein großes Kopftuch, ab dem 18. bzw. 19. Jahrhundert dann eher Hauben. Im Alltag trugen sowohl Frauen als auch Mädchen ein Wolltuch oder Leinentuch, das um den Kopf gebunden wurde. Ohne eine Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen war für verheiratete Frauen nicht üblich.

Die Männertracht

Die Tracht der Männer war stärker von der städtischen Mode geprägt als die der Frauen. Das Hemd ist wie bei den Frauen in Form einer Tunika, doch die Mäntel und Hosen wurden bereits im 18. Jahrhundert wie in der Stadt üblich zugeschnitten. Außerdem hatte die Militäruniform einen Einfluss auf die Männertracht, was besonders in den Details, wie den Steppnahten, zu sehen ist. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Männer knielange Hosen mit gestrickten Wollstrümpfen, die bis zum Knie reichten. Erst im 19. Jahrhundert wurden lange Hosen getragen. Während die Frauen ihre Kleidung selber nähten, stammte die der Männer meist von einem Schneider.

Da die meisten Kleidungsstücke aus Wolle oder Leinen gemacht wurden, waren die Farben grau und weiß. Doch die Muster, die mit farbigen Garn gestickt wurden, waren oft bunt: rot, grün, gelb und blau. Besonders oft wurde aber das Rot verwendet, da es im traditionellen Glauben für Feuer, Blut und Leben steht.

Heute werden Trachten in Lettland im Alltag nicht mehr getragen, aber bei besonders festlichen Anlässen wie etwas das Mittsommerfest tragen die Letten stolz ihre traditionellen Kleider.

(Bildquelle: slideshow bob)

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